Klang und Kontemplation
Christine Ockenfels

Labyrinth

© Christine Ockenfels


„Im Labyrinth spiegelt sich etwas von den tiefen Wahrheiten des Universums,
in dem wir alle leben.

Gernot Candolini

Der lange Aufenthalt in der Kathedrale Notre-Dame in Chartres im Sommer 2017 war für mich eine tiefe Erfahrung, insbesondere die Begegnung mit dem Labyrinth. Es war tatsächlich nicht nur ein Eintreten in den Innenraum der Kathedrale. Das Begehen des Labyrinths war ein Weg in mein Innerstes. Später habe ich das Buch von Gernot Candolini erstanden mit dem Titel: "Labyrinth - Wege der Erkenntnis und der Liebe". In der Einleitung schreibt er: "Dem Pfad des Labyrinthes zu folgen, heißt: aufbrechen und loslassen, Wendungen annehmen, die Erkenntnisse der Mitte gewinnen und den Weg heraus zu entdecken." Hier zeigt sich die Verbindung zum Klang und zur Kontemplation. Alle drei erschließen sich nur, wenn wir uns darauf einlassen. Dann sind wir gegenwärtig im Hier und Jetzt und können wahrnehmen, was sich uns zeigt. Wir nehmen es wahr, so wie es ist, ohne Wertung und Einordnung. Und dadurch erschließt sich uns eine immer neue Lebendigkeit. Jeder Augenblick ist frisch und neu.

Das Labyrinth ist ein Symbol für die Suche des Menschen nach einem Ziel. Tiefergründig betrachtet versinnbildlicht es die Suche nach der Mitte. Wer ins Labyrinth eintritt und sich auf den Weg macht, weiß, dass er sich auf Umwege begibt und zeitweise um sich selbst kreist. Je länger der Weg dauert, umso mehr sehnt er sich nach der Mitte.
Ein Labyrinth führt immer zur Mitte. Es ist nicht zu verwechseln mit einem Irrgarten. Hier führen vom anfänglichen Weg viele Wege ab, die alle in Sackgassen enden. Nur ein einziger Weg führt zum Ziel. Wer sich hier auf den Weg zum Ziel macht, wird sich immer wieder verirren.

Auf der Folgeseite geht es um das klassische Labyrinth und dessen spirituelle Bedeutung im Christentum.